Wirkjournal 2025 | Wirkgeschichte

Steuern mit Datenbrille und Kooperations-Know-how

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Wo ein Kind in Deutschland aufwächst, entscheidet maßgeblich über seine Bildungs- und Teilhabechancen. Während manche Regionen Kinderarmut von unter vier Prozent aufweisen, kämpfen andere mit Quoten von über 30 Prozent.¹ Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung setzt genau hier an: Sie stärkt Kommunen dabei, vor Ort echte Teilhabe und Chancengerechtigkeit zu schaffen.

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Denn in den Kommunen wird Bildung gelebt – oder bleibt auf der Strecke. Hier treffen sich Kita, Schule, Jugendarbeit und Familien. Doch viele Kommunen stehen vor enormen Herausforderungen: Wie lassen sich knappe Ressourcen optimal einsetzen? Wie können verschiedene Akteure besser zusammenarbeiten? Und wie entstehen Angebote, die wirklich bei den Familien ankommen?

Der Teilhabeatlas für Kinder und Jugendliche² zeigt, dass sich die Bildungs- und Teilhabechancen von jungen Menschen stark nach ihrem Wohnort unterscheiden. Sehr deutlich fallen die Unterschiede bei den Schulabschlüssen oder der Kinderarmut aus.

Die Rolle von Kommunen für Bildungschancen

In der Kommune wird der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungs- sowie Teilhabechancen besonders sichtbar. Hier finden Bildung, Partizipation, Integration und Inklusion statt – oder eben auch nicht. Deshalb stärkt die DKJS seit mehr als 15 Jahren Kommunen als Gestalterinnen von Bildungslandschaften. Denn starke Kommunen legen das Fundament für bessere Chancen für alle Kinder und Jugendliche.  

  • Kommunen sind nah dran an den Bedürfnissen der Menschen: Sie kennen i.d.R. die unterschiedlichen (sozialräumlichen) Bedarfe sowie die Angebots- und Akteursstruktur vor Ort. 
  • Kommunen haben Regelaufgaben in der Kinder- und Jugendhilfe, sind z.T. Schulträger und damit für die Gebäude, Sporthallen und Flächen zuständig, sind Trägerinnen von non-formalen Bildungsorten (Musikschulen, Bibliotheken, etc.) sowie der Vereinsstruktur. Kommunen verfügen (zumindest teilweise) über Flächen und haben Mitsprache bei deren Gestaltung und Nutzung. 
  • Kommunen können eine koordinierende, vermittelnde und steuernde Funktion einnehmen: Durch integrierte Planungen und strategische Entscheidungen gestalten sie maßgeblich das lokale Unterstützungssystem für junge Menschen. Mit ihrer Verpflichtung zur Qualitätsentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe setzen sie Standards, die unmittelbar das Leben von Kindern und ihren Familien prägen.  
  • In den Kommunen entstehen Netzwerke aus Schulen, Kitas, Vereinen, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die gemeinsam passgenaue Lösungen für die Herausforderungen vor Ort entwickeln.  

In der Hand einer Kommune liegt es, die verschiedenen Kräfte vor Ort zu bündeln und über Ressort- und Zuständigkeitsgrenzen hinweg abzustimmen – eine Schlüsselfunktion für funktionierende Bildungslandschaften. Um Kommunen in dieser Funktion zu stärken, bietet die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Beratungen an. 

Unser Beratungsansatz:
Kommunen bedarfsorientiert stärken
 

Das Verständnis der DKJS von Kommunalberatung ist das eines interaktiven, ziel- und ergebnisorientierten Prozesses, in dem wir gemeinsam mit Kommunen an ihren bildungsbezogenen Entwicklungsvorhaben arbeiten. Die DKJS begleitet kommunale Veränderungsprozesse und unterstützt Kommunen bei der Weiterentwicklung ihrer Strukturen und Organisationen.   

Dies erfordert Sensibilität für Veränderungsdynamiken, ein Gespür für vorhandene oder fehlende Gestaltungsräume sowie fundiertes Wissen zu datenbasiertem kommunalen Bildungsmanagement (DKBM), lebenslangem Lernen, Organisationsentwicklung und Changemanagement – etwa zu Veränderungstypen, systemischem Organisationsverständnis, Führungsrollen, Kommunikation und emotionalen Aspekten von Veränderung.  

Die Beratung ist wissens-, erfahrungs-, und beziehungsbasiert. Wir bieten geschützte Reflexionsräume, unterstützen bei Zielfindung, Strategieentwicklung und Prozessplanung und setzen durch unseren Außenblick Impulse für innovative Lösungen.  

Entscheidend ist dabei unser bedarfsgerechter Ansatz: Je nach Situation und kommunalem Bedarf entsteht ein individueller Mix aus Fachberatung, Veränderungsberatung und Prozessbegleitung. Diese Flexibilität erlaubt es uns, Kommunen genau dort zu unterstützen, wo sie es am meisten benötigen.  

 

Beispiel „Zukunftskieze“ – Kommunalberatung in Berlin 

Berlin ist laut Teilhabeatlas eine Stadt mit teils hohen Teilhabehürden. 23 Prozent der Kinder und Jugendlichen wachsen in Armut auf und 9 Prozent sind von Jugendarbeitslosigkeit betroffen.³ Doch auch innerhalb Berlins gibt es große soziale Unterschiede zwischen den Stadtbezirken. Dies zeigt das Monitoring Soziale Stadtentwicklung Berlin 2023⁴ – auf dieser Datengrundlage wurden sieben Kieze in sechs Bezirken ausgewählt, in denen die DKJS im Rahmen der Gestaltung von sogenannten Zukunftskiezen beratend tätig wurde. In diesen Kiezen leben beispielsweise besonders viele Kinder und Jugendliche in alleinerziehenden Haushalten und in Armut. Durch den datengestützten Zugang stellt die DKJS sicher, dass sie gezielt dort aktiv wird, wo soziale Problemlagen besonders groß sind.

Die sechs ausgewählten Bezirke profitieren von dem Modellprojekt Zukunftskieze – Bildung in Quartieren kooperativ planen und gestalten der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie (SenBJF). Dort werden bezirkliche Ideen der Strukturentwicklung und Vernetzung umgesetzt und konkrete Angebote für Kinder und Jugendliche geschaffen. Die DKJS hat die Bezirke bei diesem Prozess von Oktober 2022 bis April 2025 beraten und unterstützt. 

Grafik Kinderarmut 2022

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Partizipative Projektentwicklung 

Kooperativ, prozessoffen und datenbasiert wurde das Modellprojekt entwickelt. Ausgangspunkt war ein Satz im Berliner Koalitionsvertrag „Für Bezirksregionen mit besonders schwieriger sozialer Lage wird ein Modellprojekt Zukunftskieze ausgelobt, in das die Erfahrungen aus der Entwicklung der Campusschulen einfließen.“⁵  

Der erste Schritt bestand in einem Blick auf vorhandene Modelle und Erfahrungen in Berlin. Dabei schaute sich die DKJS gemeinsam mit einer wissenschaftlichen Begleitung vor allem die Berliner Campusschulen an und konnte erste Leitplanken für die Zukunftskieze identifizieren. 

In einem mehrstufigen hierarchie-, ressort- und ebenenübergreifenden Beteiligungsprozess, den die DKJS moderierte, entwickelten daraufhin die Akteur:innen aus Verwaltung und Sozialraum Kriterien, die einen Zukunftskiez ausmachen. Aus den Ergebnissen formulierten die DKJS, die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen Ziele und einen Projektgestaltungsrahmen. Sie dienten als Grundlage für die Modellvorhaben in den Bezirken. Dieser partizipative Ansatz führte zu großem Engagement und hoher Identifikation bei den Beteiligten.  

„Zu Beginn dachte ich, was soll der Blick von außen bringen. Doch die Moderation durch die DKJS und die Außenperspektive hat uns geholfen, uns besser zu sortieren und unser Vorhaben zu reflektieren.“

Teilnehmer:in aus der Bezirksverwaltung

Die gemeinsame Vision heißt: Ein Zukunftskiez trägt langfristig dazu bei, die Möglichkeiten auf gleiche Bildungschancen, Integration und Teilhabe von allen Menschen im Quartier, das sich als Lern-, Begegnungs-, Bildungs- und Lebensort versteht, zu erhöhen.⁶ Übergreifende Ziele des Modellprojektes sind:  

  1. Kooperationsqualität steigern,
  2. gemeinsame Raumnutzung fördern
  3. und niedrigschwellige Angebote, die sich an der Zielgruppe orientieren, ausweiten.  

 

Vernetzung, Steuerung und Qualifizierung 

Die DKJS hat die sechs Bezirke individuell begleitet, damit sie für ihre Zukunftskieze ressortübergreifend gemeinsame Ziele entwickeln und Maßnahmen darauf abstimmen konnten. Darüber hinaus bot die Stiftung bezirksübergreifend Workshops und Vernetzungstreffen zu Themen der Zukunftskieze sowie zu notwendigen Methodenkompetenzen an. 

„Wie gut, dass bei den bezirksübergreifenden Vernetzungstreffen all die unterschiedlichen Ebenen zusammengebracht werden, die für eine Entwicklung nötig sind. Das ist sehr wertvoll.“

Teilnehmer:in aus der Bezirksverwaltung

Zukunftskiez Rollbergesiedlung: Praxis und Verwaltung arbeiten Hand in Hand 

Der Zukunftskiez Rollbergesiedlung hat beispielsweise in einem Workshop erarbeitet, wie Ziele für den Bezirk realistisch und wirkungsorientiert formuliert werden können. In anschließenden Kommunalberatungen haben die Akteur:innen aus Verwaltung und Kiez diese mit dem Team der DKJS geschärft, priorisiert und mit den Mitgliedern der Steuerungsrunde, z.B. Schulaufsicht, Jugendamt und Sozialraumorientierte Planungskoordination⁷ abgestimmt. Die Steuerungsrunde baute eine Abstimmungsstruktur auf. So wurden die verschiedenen Ressorts im Bezirk untereinander verzahnt und an die operativ arbeitenden Akteur:innen aus dem Sozialraum, z.B. Schulen, Jugendhilfeträger angebunden. 

„Wir haben eine Zwei-Ebenen-Steuerung. Einmal unsere ressortübergreifende Steuerungsrunde, die sich zweimal im Jahr mit den strategischen Zielen auseinandersetzt, und unsere Koordinierungsrunde, die das Operative vor Ort lenkt“, erklärt Flora Rogin, die ehemalige Projekt- und Regionalkoordinatorin im Bezirksamt Reinickendorf. „Hier treffen wir uns alle vier bis sechs Wochen, um die Ebenen miteinander zu verbinden.“ Bildungskoordinatorin Natascha Köster nimmt auch an Runden im Sozialraum, also direkt im Kiez, teil und kann so Themen schnell aus der Praxis in die Bezirksebene einbringen. „Ich fühle mich von Verwaltungsseite in meiner Arbeit gut unterstützt und mit den Bedarfen, die ich aus der Schule mitbringe, gut abgeholt.“ 

Das Modellprojekt setzt in seiner Arbeit auf solche hochwertigen Kooperationen. Denn eine gute Zusammenarbeit der unterschiedlichen Verwaltungs-Ressorts sowie der operativen und strategischen Ebene im Quartier ist der Schlüssel für ein abgestimmtes Handeln in der Berliner Bildungslandschaft und die Umsetzung niedrigschwelliger Angebote im Kiez. Und das trägt zu mehr Bildungsgerechtigkeit bei. 

„Durch die unterschiedlichen Angebote der DKJS konnten die Kolleg:innen kontinuierlich an den Themen und Zielen des Kiezes dranbleiben und sie ausgestalten. Auch mein Einstieg gelang durch die Prozessmoderation gut.“

Camille Andrélan

Koordinatorin Bürgerbeteiligung, Bezirksamt Berlin-Reinickendorf und Nachfolgerin von Flora Rogin

Die praktische Ausgestaltung des Modellprojektes in den Bezirken sah unterschiedlich aus. Im Bezirk Reinickendorf wurde nach gemeinsamer Ziel- und Maßnahmenentwicklung im Bezirksamt eine Bildungskoordination eingesetzt: „Meine Stelle als Bildungskoordinatorin gab es so vorher nicht“, erzählt Natascha Köster.⁸ Seit 2024 arbeitet sie nun in der Rollbergesiedlung in Berlin-Reinickendorf als Schnittstelle zwischen Schulen, Kitas und anderen Akteur:innen im Kiez sowie zur Verwaltung. Ihr Büro ist an der Schule angedockt. Die Bildungskoordinatorin ist so für die Fachkräfte direkt ansprechbar, bei allen bekannt und im Viertel gut vernetzt.

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Messbare Wirkung 

Die Wirkung des Modellprojekts zeigt sich in konkreten Zahlen: Bei bezirksübergreifenden Vernetzungstreffen wurden die geplanten Teilnehmer:innenzahlen deutlich überschritten – ein Zeichen für das große Interesse an bezirksübergreifendem Wissens- und Erfahrungsaustausch auf kurzem Weg.  

Alle sechs Bezirke haben inzwischen verbindliche Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet und ressortübergreifende Steuerungsstrukturen aufgebaut. Die hohe Nachfrage an Prozessbegleitung und Beratung und eine 2024 durchgeführte Befragung der Teilnehmenden bestätigen die Akzeptanz der Beratungsformate bei den kommunalen Fachkräften.  

Die begleitende interne Evaluation zeigt: Die Personen aus der Bezirksverwaltung konnten durch Zukunftskieze ihr Wissen erweitern und ihre Kooperationen stärken. Nach der Teilnahme am Modellprojekt schätzten sie ihr Wissen zur Entwicklung von Unterstützungsangeboten im Stadtquartier deutlich höher ein als vorher. Vor allem erweiterten sie ihre Kenntnisse über die Bildungsbedarfe von jungen Menschen und Familien in ihrem Stadtquartier. Zudem wurden Kooperationen gestärkt – die große Mehrheit der Befragten arbeitet häufiger ressortübergreifend zusammen, denkt Mehrfachnutzung von Räumlichkeiten strategisch stärker mit und reflektiert die Niederschwelligkeit von Bildungsangeboten. Damit zahlt das Programm auf die anvisierten Ziele ein. 

 

Maßnahmen für mehr Bildungsgerechtigkeit  

Auch in der Rollbergsiedlung zeichnen sich erste Erfolge ab: So konnte die Bildungskoordinatorin ein neues Trägernetzwerk zur Verzahnung der Übergänge zwischen allen Bildungsstufen- und Einrichtungen aufbauen, das an bestehende Strukturen anknüpft und mit dem lokalen Bildungsverbund⁹ kooperiert. Die Steuerungsrunde Zukunftskieze griff eine Idee aus einem Beteiligungsprojekt des Quartiersmanagements auf und erschuf einen „Lernort“ für Jugendliche. „Der Ort wird sehr gut angenommen“, freut sich Flora Rogin. Die Jugendlichen kommen, um ihre Hausaufgaben zu machen, sich Unterstützung in bestimmten Grundfächern zu holen und die Technik zu nutzen. Auch an der weiteren Ausgestaltung werden sie perspektivisch beteiligt. 

„Wir denken Quartiers- und Bildungsentwicklung zusammen und sehen Bildung letztendlich als Quartiersressource.“

Flora Rogin

Bezirksamt Berlin-Reinickendorf

Flora Rogin betont aber auch, wie wichtig der Zeitfaktor ist: „Es braucht Entwicklungszeit und auch die Möglichkeit zur Nachsteuerung.“ Oft kollidiert das mit Projektlaufzeiten und Zielvorgaben von Förder- und Rahmenprogrammen. Sie plädiert dafür, Zukunftskieze wirklich als Modellprojekt zu sehen. „Als Experimentierfeld, bei dem auch Ziele beispielsweise im Laufe der Projektlaufzeit noch mal umformuliert oder konkretisiert werden können.“ 

Das braucht es jetzt! 

Kommunen müssen als zentrale Orte der Bildung gestärkt werden, um Teilhabe, Beteiligung, Integration und Demokratie effektiv zu fördern. Um ihre Handlungsfähigkeit auch in Zeiten tiefgreifender gesellschaftlicher Transformation zu sichern, sollte ihre Rolle als Gestalterinnen von Bildungsprozessen aufgewertet werden – durch die Unterstützung und Weiterentwicklung kommunaler Steuerungsstrukturen und Bildungslandschaften. 

Als Steuerungsinstanzen vor Ort haben Kommunen eine Schlüsselfunktion für die Umsetzung hochwertiger Bildungsangebote – von der Kita über den Ganztag bis zur Jugendarbeit. Um dieser Verantwortung gerecht werden zu können, brauchen sie unterstützende Rahmenbedingungen, Know-how und langfristig tragfähige Strukturen. Unsere Programme wie Kommune 360°, REAB Nord und die Fachstelle FaBERID zeigen, wie integriertes und kooperatives Handeln zwischen Schulverwaltung, Jugendhilfe, Stadtentwicklung, Kultur und weiteren Akteur:innen erfolgreich umgesetzt wird. Bildung darf nicht isoliert gedacht werden, sondern als Bestandteil einer umfassenden kommunalen Bildungslandschaft – orientiert an den Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. 

Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltskürzungen, von denen insbesondere freiwillige Leistungen betroffen sind, wird deutlich: Damit diese Zusammenarbeit gelingt, braucht es gezielte Investitionen in den Aufbau kommunaler Koordinierungs- und Steuerungsstrukturen, kontinuierliche Qualifizierungsangebote für Fachkräfte sowie dauerhaft verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen. Wenn Kommunen ihre Bildungs- und Beteiligungsaufgaben nicht mehr erfüllen können, steht mehr auf dem Spiel als einzelne Projekte: Es geht um nicht weniger als den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Zukunft unserer Demokratie. 

Porträtfoto

Markus Lindner

Kommunales Bildungsmanagement | Stadt

DKJS Hamburg mit Bremen und Niedersachsen
Winterhuder Weg 86
22085 Hamburg

+49 (0)40 38 07 15 35 1
markus.lindner@dkjs.de

Wirklogik

Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung macht Kommunalverwaltungen fit, damit sie Herausforderungen in unterschiedlichen Bildungsbereichen bewältigen und das Leben und die (Bildungs-)Chancen von Kindern und Jugendlichen positiv beeinflussen können.

  • Junge Menschen, aber auch Erwachsene haben ein Recht auf lebenslang zugängliche, attraktive kommunale Bildungsangebote (PwC 2017, EU 2018). Kommunen sind zentrale Bildungs-, Begegnungs-, und Lebensorte, an die steigende Anforderungen gestellt werden, z. B. digitale Bildung und Ganztagsausbau. Kommunale Bildungsangebote in Deutschland gehen häufig nicht bedarfsgerecht auf aktuelle Herausforderungen ein – wie steigende Armut, Integration, Raummangel sowie Wettbewerb um Fachkräfte (Slupina et al. 2019). Um sich diesen Herausforderungen anzunehmen, fehlt es in den kommunalen Verwaltungen häufig an … 

    • einer systematischen Erfassung der Bildungsbedarfe, 
  • In der Zusammenarbeit mit Kommunen zielt die DKJS darauf ab, die Handlungsfähigkeit von Verwaltungen zu erhöhen, d. h. Kommunen in die Lage zu versetzen, ihre Bildungsstrukturen und -angebote auf die regionalen Gegebenheiten und Anforderungen zuzuschneiden. Grundlage dafür ist eine datenbasierte und ressortübergreifende Arbeitsweise. Wir setzen besonders bei den Planungs-, Zusammenarbeits- und Steuerungsstrukturen in den kommunalen Verwaltungen und den dort arbeitenden Personen an. Durch starke Kommunen erhalten junge Menschen, aber auch Erwachsene bedarfsgerechte Bildungsangebote und damit uneingeschränkte Teilhabechancen.

  • In vier Programmen förderte die DKJS 2024 gezielt Kommunen beim Aufbau und der Weiterentwicklung eines datenbasierten Bildungsmanagements. Der Fokus lag auf unterschiedliche Regionen – z. B. Berlin, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. 

    Für die Stärkung von Kommunen wurden in den Programmen insgesamt 159 Aktivitäten umgesetzt. Insbesondere … 

    • Kommunalberatungen, u. a. zu ressortübergreifenden Bildungsstrategien und der Ausgestaltung von niederschwelligen, präventiven und bedarfsgerechten Bildungsangeboten. 
    • Qualifizierungen und Publikationen, u. a. zu datenbasiertem kommunalen Bildungsmanagement, wirkungsorientiertem Arbeiten und lebenslangem Lernen. 
    • Netzwerktreffen, u. a. zum Austausch von Beispielen guter Praxis.
  • Kernzielgruppe sind hier Fach- und Leitungskräfte in der Kommunalverwaltung. Mit den 159 Aktivitäten werden daher ausschließlich Erwachsene direkt erreicht. 2024 waren das 902 Erwachsene, mehrheitlich Fach- und Leitungskräfte der kommunalen Verwaltung. Von den strukturellen Veränderungen in den Kommunen profitieren wiederum auch Kinder und Jugendliche. 

Unsere Wirkhebel im Handlungsfeld Kommunen stärken
1.

Durch die Kommunalberatung wird das Bildungsmanagement in Kommunen verbessert und Bildungsangebote niederschwelliger, bedarfsgerechter und präventiver ausgestaltet.

2.

Durch Qualifizierungen und Netzwerktreffen entwickeln Akteur:innen der Kommunalverwaltung neue Routinen und transferieren ihr Wissen in die Kommune.

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Gesellschaftlicher Mehrwert

Durch bedarfsgerechtes Bildungsmanagement in Kommunen bilden sich Menschen lebenslang wohnortnah weiter und haben umfangreiche gesellschaftliche Teilhabechancen.